Mittwoch, 4. Mai 2016

Im Japanischen Garten.
Immer dem leuchtenden Tulpenfeld hinter der Jahrhunderthalle nach!



Dann im Japanischen Garten lediglich das Bedauern, dass man so gar nicht bewandert ist in der Kunst des Haiku. Denn was für ein Vergnügen wäre es, in wenigen, komprimierten Zeilen das Komprimierte der Natur festzuhalten – und den Gedanken, der dahinter steht und dieses Wunderwerk möglich gemacht hat.


Schmale, sanft geschwungene Wege, fein domestizierte Wasserläufe, filigrane Brücken und frühlingshaft blühende Bäume und Sträucher: Erdacht und erstmals angelegt, als 1913 das 20. Jahrhundert ebenfalls noch jung war. Man weiß, wie die Geschichte weiter ging: Kollektiv austickende Nationen, Kriege, in die man sich aus purem Nihilismus und falsch verstandenen Nationalstolz stürzte – Japaner und Deutsche dann im Zweiten Weltkrieg unselig vereint. Und doch. Und doch hatte es in jenem Jahr 1913 einen Menschen wie den Grafen Friedrich von Hochberg gegeben, der zusammen mit seinen deutschen und japanischen Gärtnern, den Herren Anlauf und Mankichi, diesen besseren Traum wahr machte,

Danach für beinahe ein Jahrhundert in Vergessenheit geraten, waren es im Jahre 1996 dann polnische und wiederum japanische Spezialisten, die nach bewahrten alten Unterlagen die Garten-Architektur wiederherstellten. Und die Wucht des sogenannten Schicksals, das im Eröffnungsjahr 1997 in Gestalt des Oderhochwassers sogleich fast alles erneut zunichte gemacht hatte? Ebenfalls zu korrigieren durch menschliche Tatkraft und den Willen zu Daseinsfreude und Schönheit: Wurde der Garten eben noch einmal wiedererweckt und neu eröffnet! Wie tröstlich, denkt man, während rechts und links, hinten und vorn vergnügte Spaziergänger, Liebespaare und Familien Selfies machen vor den Wunderwerken von Menschen erdachter Natur.


Wie tröstlich, dass es das also auch gibt – ein sanftes DENNOCH gegenüber all den wechselnden, immer derart einfallsreichen Fieberschüben von Hass, Destruktion, Abgrenzung, Paranoia und ideologischer Hybris. Sollte man jemals in Gefahr sein, verzweifeln zu wollen - ein Besuch im Japanischen Garten, dieser berückenden Symbiose aus Rationalität und Sinnlichkeit, wäre eine gute Medizin.

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